Historie

6. November 2015

Neues aus Elista

Wieder ist der Herbst vorbei und ich bin nicht in Russland gewesen. Manchmal ist das Jahr einfach zu kurz: im Sommer haben wir unser Monokel komplett auf den Kopf gestellt und runderneuert und im Oktober waren zu Hause neue Fenster dran. Eine Aktion, die ich mir einfacher vorgestellt habe und die zum heutigen Tag auch noch nicht abgeschlossen ist.

Aber die fehlende Reise tut unserer Verbindung nach Elista keinen Abbruch. Fest sind unsere Beziehungen inzwischen geworden. Wir telefonieren, schreiben mails, schicken Pakete ins Kinderhaus und bekommen Post und Grüße von dort über andere Menschen, die dieses Jahr da waren. Zum Beispiel Pfarrer Peter Danisch. Er war von 1993 bis 2010 mit Pfarrer Reinhard Palitza und Pfarrer Wilhelm Palisch in Tscheljabinsk und hat in dieser Zeit auch Alberta, damals in Astrachan, kennengelernt. Als er, nun im Ruhestand und wieder in Magdeburg wohnend, im September - Oktober diesen Jahres eine Vertretung in der deutschsprachigen St. Elisabeth-Gemeinde in Moskau übernahm, machte er auch für eine Woche einen „Abstecher“ nach Elista. Seine Fotos mit meinen Erinnerungen zu mischen war schön.
Und im September waren die Astrachaner in Zittau bei ihrer Partnergemeinde. Da bin ich mit meinem Mann mal rüber gefahren und hab „drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“: die Russen getroffen, ein paar Umschläge an Mirella, Swetlana und die kanadischen Schwestern mitgeben können und den dortigen neuen Pfarrer erlebt. Es waren schöne Begegnungen, auch wenn mein Russisch schon wieder schläft. Und mit unserem Pfarrer Thomas Cech mal wieder (auf deutsch) zu schwatzen tat gut. Er hat sich eingelebt und lässt alle herzlich grüßen.

Wenn ich mit Alberta telefoniere, bin ich immer wieder fasziniert von ihrer Kraft und ihrem Gottvertrauen, mit dem sie diesen Jugendlichen Mutter und Erzieherin und Glaubenszeugnis ist.
Jedem hat sie eine schulische Förderung und dann eine berufliche Ausbildung erkämpft. Jeder geht seinen ganz eignen Weg und weiß die Familie als Rückenstütze hinter sich. Jeder weiß um seine Menschenwürde, trotz Behinderung oder anderer Widrigkeiten. Jeder hat gelernt, dass es wichtig ist und sich lohnt zu kämpfen und seinen Platz zu finden. Und dabei sind sie alle gemeinsam eine fröhliche Bande, die Sie hiermit ganz herzlich grüßen lassen.

Und was heißt das im einzelnen?

Sergej (den ja nun alle in St. Hubertus kennen) wohnt jetzt in St. Petersburg. Am 6. Oktober hat er sein Apostolat (1. Probejahr) bei den Franziskanern begonnen. Er studiert im Priesterseminar, aber ob er mal Bruder oder Priester wird ist noch offen. Im nächsten Jahr ist geplant, dass er ein Jahr nach Polen geht, weil die Franziskaner von dort kommen. Für die innere Berufung hätte er das deutsche Hörgerät nicht gebraucht, aber im Seminar denkt er oft dankbar an uns.

Tonia, die uns mit im vergangenen Jahr besuchte, war damals auch zur Diagnostik ihrer Epilepsie in Italien. Inzwischen geht es ihr besser, wahrscheinlich auch, weil alle mit der Zeit ruhiger wurden und nicht mehr ängstlich auf jeden neuen Anfall warteten.

Auch Lola (die bei den Paralympics mit ihrem Tischtennisschläger dabei war) ist ausgezogen. Sie studiert jetzt in Moskau Psychologie. Das ist möglich, weil die Uni behindertengerechte Wohnmöglichkeiten direkt auf dem Gelände anbietet. Auch wenn die planerischen Vorstellungen, wie viel Platz drei Rollstühle in einem Zimmer brauchen nicht ganz der Realität entsprechen. Lola hatte sich das Studieren leichter vorgestellt, weiß, dass sie jederzeit zu Alberta zurück kann, sagt aber: „ein Jahr wird durchgehalten und dann sehen wir weiter!“

Denken Sie nicht, dadurch wäre es im Kinderhaus jetzt leerer. Inzwischen wohnt die 16jährige Natascha mit in der Gemeinschaft.
Olga (deren Geschick wir bei jeder Bastelarbeit bewundert haben, egal was wir mitbrachten) hat ihre Stuckateurausbildung beendet, aber eine versicherungspflichtige Arbeit zu finden ist fast unmöglich. Nun hat die Gemeinschaft Johannes XXIII sie halbtags im Kinderhaus eingestellt. Alberta ist darüber sehr froh, denn das ist eine Hilfe, die bleibt. Die nicht aller viertel Jahre für ein neues Visum nach Italien zurück muss.

Simona ist in ihrem letzten Ausbildungsjahr zur Grundschullehrerin und absolviert grad ein Schulpraktikum. Vor zwei Monaten starb ihre Großmutter. Eine wichtige Person in ihrem Leben, denn diese suchte damals in Marx für Simona Hilfe bei den katholischen Schwestern. Und über den damaligen Pfarrer Clemens Pickel kam sie dann zu Alberta.

Swetlana kämpft sich durch den Schulstoff und wird jetzt auch, wenn gesundheitlich möglich, fast täglich von Alberta in eine öffentliche Schule gebracht. Das ist genauso schön wie anstrengend und kostet Kraft, die woanders dann manchmal fehlt.

Und Alberta selber war im Oktober mit Bischof Pickel und 20 anderen Ordensleuten für 5 Tage auf dem Weg nach Fatima. Bischof Pickel schreibt in seinem Blog ( kath-ru.blogspot.com ) von vielen schönen Erlebnissen und Begegnungen.
Kurz vor der Abreise rief Alberta mich an. Ein bisschen schwatzen, wie es uns so ohne „Vater Thomas“ (die wörtliche Übersetzung der Priesteranrede in Russland) geht, was die einzelnen Menschen, die sie näher kennenlernen konnte so bewegt, ob es noch die Werktagsmessen gibt, ob es immer noch die ausländerfeindlichen Demonstrationen gibt, ob das Heim im Hochland gut ist für alle, wie es mir als Großmutter geht und viele andere Dinge. Es war ein schönes Gespräch und nur einmal brach die Verbindung ab, weil soooo lange skypen, das gehört sich in Russland vielleicht nicht und jemand „zog den Stecker“.

Im Sommer haben wir dann auch die seit zwei Jahren angedachte Einladung, uns doch mal zu besuchen, endlich ordentlich formuliert. Pfarrer Wladimir freut sich auf diese Reise und nun muss in der Gemeinde noch geklärt werden, wer mitkommt. Die kommenden Kollekten für Elista werden diesen Besuch finanzieren. Sonst wäre er für keinen möglich. Da sind wir als Kreis und unsere Partnergemeinde sehr dankbar für alle Unterstützung. Und einen Termin gibt es auch schon so ungefähr. Und zwar rund um den 28. August 2016. An dem Tag werden wir mit unseren Gästen Gemeindefest feiern.

Im Oktober haben wir auch mal wieder ein Paket mit Bastelmaterial hingeschickt. Wenn Sie den Schutzpatron für die russische Post kennen: es wäre schön, wenn die Sachen nicht erst im neuen Jahr ankommen. Und Mitte November geht das Weihnachtspaket auf die Reise. Das können sie gleich mit verbeten.

Das soll für heute als Info reichen.
Im Namen unserer Partnergemeinde sage ich allen Lesern für das gemeinsame Unterwegssein in Gedanken, Gebeten, Fragen und Spenden - DANKESCHÖN.
liebe Grüße Maria Schmidt








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