Historie

27. Dezember 2014

"unsere Russen" waren in Dresden

Hier nun der versprochene Rückblick auf den großen Besuch im November und Dezember. Es war eine dichte Zeit und mein heimlicher Plan, jeden Tag ein bisschen was zu schreiben, war total unrealistisch. Zu viel waren wir in den Tagen gemeinsam unterwegs, zu viel war zu planen, zu bedenken und zu organisieren. Abends bin ich nur noch breit ins Bett gefallen. Und nun genieß ich die Ruhe zwischen den Jahren. Unser Monokel wird vom Sterntaler bewacht und hat Ferien bis zum 2. Januar. Das Gemeindeleben beschränkt sich auf die Gottesdienste und so ist es ein echter AUSKLANG. Bevor uns das neue Jahr wieder zum KLINGEN auffordert. Aus diesem Grund gibt es jetzt hier auch "nur" den Abschlußbrief der am Heiligen Abend in beiden Gemeinden verteilt wurde.
Allen, die diese Zeilen lesen wünsche ich einen guten Jahresausklang und viel Freude und Neugier auf das Kommende.   liebe Grüße Maria Schmidt

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Süßer die Glocken nie klingen … als in der jetzigen Zeit, in der wir mit Sergej erlebt haben, was Hören bedeutet, wie sorglos wir es oft als Selbstverständlichkeit betrachtenund dass es auch ein Weihnachtsgeschenk sein kann.

Wir wollen Sie mit diesem Brief einladen: zu einer Reise durch die vergangenen vier Wochen mit unserem Besuch aus Russland.

Die Vorgeschichte kennen Sie alle aus dem eignen Erleben:
durch einen Vortrag von Petrun Grafe zu unserer Partnerschaft mit der Gemeinde St. Franziskus in Elista kam die Idee, ob man diesem jungen Mann mit dem schlechten Gehör hier in Deutschland helfen könnte. Viele, viele Menschen haben aus diesem unpersönlichen kleinen -man- dann ein ICH werden lassen. Sind aktiv geworden für Sergej. Im Mitdenken und Planen (hier ist vor allem Christoph Ilgner sehr aktiv gewesen), in der Realisierung medizinischer Voruntersuchungen, im Bitten um Spenden im Freundes und Verwandtenkreis, im Gestalten von Benefizkonzerten, in der Unterstützung von Kollekten, im täglichen Gebet, im persönlichen Kontakt nach Russland und und und. Wahrscheinlich kennen wir gar nicht alle guten Taten, die im Hintergrund so stattfanden.

Und am 22. November ist es dann soweit: Sylvia Kumichel und Christoph Ilgner holen „unsere Russen“ vom Flughafen ab. Sie werden bei Familie Schmidt in Weißig übernachten. Mein Mann und ich haben uns in der Planungsphase gesagt: ok, wir richten uns darauf ein, dass unsere Wohnung in der Zeit ein Teil des Gemeindehauses ist. Und das wurde es auch.
Es gibt zur Begrüßung erst mal Tee (typisch russisch) und danach einen Tagesplan (typisch deutsch). Es gibt viele Termine aber auch viele offene Fragen, die sich erst mit Sergejs Befinden klären lassen. Bevor es in die Uniklinik geht, gibt es am Sonntag erstmal einen herzlichen Empfang von der Pillnitzer Gemeinde. Dabei stellt sich auch heraus, dass Matthias Kunz perfekt russisch spricht. Ein Umstand, den Sergej sehr zu schätzen weiß. Und der Nachmittag findet uns in Stolpen und Umgebung bei Familie Giersemehl, denn, wer täglich nur Steppe um sich hat, ist über jeden Baum froh.

Während Tonia diese Woche in der Werkstatt St. Josef verbringt und dort mit den Worten: „die kennen wir doch“ begrüßt wird (Fahrdienst übernimmt Herbert Löffler) ist Sergej jeden Tag in der Uniklinik. Die OP am Dienstag wird ambulant durchgeführt, bei den Nachkontrollen läßt sich eine gewisse Bevorzugung durch Prof. Mürbe, Prof. Zahnert, Dr. Mainka und das gesamte Team der Abteilung Phoniatrie und Audiologie nicht verleugnen. Und zu jedem Termin nimmt sich Christoph Ilgner Zeit als Chauffeur, als Übersetzer und Freund. Sergej ist ein geduldiger Patient, und wie groß bei ihm die Anspannung ist, merken wir erst, als sie vorbei ist. Alberta ist dankbar für alle Fürsorge und Professionalität in der Klinik und die Anteilnahme in der Gemeinde. Sie findet Ruhe bei der Vesper und den Gottesdiensten in St. Hubertus und der Hofkirche.

Am Montag nach dem ersten Advent wird das externe Gerät (der Audioprozessor) erstmals per Magnet am Kopf befestigt und eingeschaltet. Einen kleinen Eindruck davon bekommen Sie mit dem Text von Christoph Ilgner auf der Rückseite. Das Ergebnis wird in der Cafeteria mit einem späten Mittagessen gefeiert. Anschließend geht es zum Frisör, und das umseitige Foto entsteht unmittelbar danach. Und nun taut Sergej merklich auf. Er redet und lacht und nimmt Anteil – es ist unübersehbar, wie Angst und Unsicherheit vor der OP vorbei sind, das Warten auf den großen Moment ein Ende hat und nun die Neugier und Freude auf alles Neue beginnt. Es ist eine große Erwartungsfreude, eben eine Adventsfreude!

Und diese Adventsfreude trägt auch uns, den Elistakreis, die Gemeinden. Und wir können sie teilen: mit Irmhild Ehrlich aus der Pieschner Pfarrei, ihr verdanken wir überhaupt unsere Partnerschaft. Sie kam für einen Abend zum Austauschen, alte Fotoalben betrachten und Pläne für die Zukunft schmieden. Mit Alexander Debus, einem jungen Mann, der ein ähnliches Gerät wie Sergej trägt und schon bei der Entscheidungsfindung eine gute beratende Stütze war. Mit Markus Janitzki, der letztes Jahr eine Zeit in Elista im Kinderhaus gearbeitet hat und nun mit seiner Frau Melanie aus dem Eichsfeld zu Besuch kam.

Am 3. Dezember geht es für Alberta und Tonia weiter. Über Osnabrück, Venedig und Südtirol nach Rom zum Papst. Er hat die Gemeinschaft Johannes XXIII, zu der Alberta gehört, zu einer Audienz am 20. Dezember eingeladen. Und am 23. ist sie wieder in Elista. Von ihrem Elternhaus in Südtirol schrieb sie ein paar Zeilen zu ihrem Besuch in Dresden. Auch diese finden Sie auf der Rückseite.

Die folgenden Wochen entdeckt Sergej viele neue Geräusche. Zum Beispiel das Schnurpseln roher Möhren bei Schmidts am Mittagstisch. Familie Boddin und Petrun Grafe sorgen für Konzerterlebnisse in Annen und Kreuzkirche. Sylvia Kumichel testet mit ihm Weihnachtsmarktmusik, Sabine Czapla das Landhaus und das Panometer, Familie Kunz den normalen Familienalltag. Gemeinsam geht es zum Glockenguss und allein fährt Sergej für eine Woche nach Dortmund zu einer Freundin, die als Praktikantin in Wolgograd war. Das Jugendleben dort haben wir ihm sehr gegönnt und es hat ihm auch sichtlich gut getan. Bei all dem hat Sergej immer ein Heft dabei und macht Notizen für die Programmierung des Gerätes an der Uniklinik. Christoph Ilgner begleitet ihn auch dazu jedes Mal und ist mit seinem Russisch eine große Hilfe für alle Beteiligten. Vor allem, seit Alberta nicht mehr dabei ist. Die Ingenieure der Firma MED EL sind erstaunt über Sergejs zielgerichtete und fundierte Fragen. Am 16. Dezember ist die letzte Nachkontrolle und Anpassung. Alle sind zufrieden, und der Abschied fällt sehr herzlich und dankbar aus.

Inzwischen ist im Hause Schmidt die Aufregung um den Besuch in Alltag umgeschlagen. Wir lernen und vergessen jeden Tag viele russische Vokabeln, und letztens hab ich unseren Kater auf Russisch zurechtgewiesen. Wir genießen jeden Besucher, der mal kurz nur so oder nach Tagesplan für Sergej da ist. Wir haben es aufgegeben, Sergej ein bisschen verdicken zu wollen. Er isst alles und viel, aber er bleibt eine Bohnenstange. Wir sind uns sicher, die Fenster werden dieses Jahr nicht mehr geputzt und trotzdem strahlt unser Haus vor Freude über das Geschenk, das wir Sergej als Gemeinde geben konnten. Und nun bleibt noch die große Überraschung, wer am morgigen Abend zum Abschied nach Weißig kommt. Der Bericht darüber wird mein PS.

Vorab auf diesem Wege und an dieser Stelle allen, allen, allen die an diesem Geschenk in irgendeiner Weise beteiligt waren, ein herzliches DANKESCHÖN! Geben Sie diesen Brief weiter an alle, die Anteil genommen haben in Gedanken, Worten und Werken und im Gebet.

Es grüßt im Namen des Elistakreises Maria Schmidt

PS Eine schöne Runde von 10 Menschen. Ein lustiger Abend an dem wir uns der vergangenen Tage erinnern, ein bisschen in die Zukunft sehen und das Gefühl genießen, eine Gemeinschaft zu sein, die verbunden bleibt, auch wenn uns in ein paar Tagen wieder knapp 3000 km voneinander trennen.
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Dr. Christoph Ilgner: „Ich konnte ja nun selbst dabei sein und möchte daher noch hinzufügen, dass es kein sozusagen singulärer Moment war, das von uns in unserer Naivität oft postulierte "Aha-Erlebnis" verteilte sich auf ca. eine Stunde. Zunächst hatte Sergej nur einen neuen Laut-Eindruck, aber je mehr akustische Test-Situationen ihm geboten wurden, umso mehr entdeckte er die neuen Möglichkeiten und wurde immer zufriedener, das war richtig zu merken. Im Verlaufe der Einstellung landete dann noch ein Hubschrauber der Deutschen Rettungsflugwacht in der Nähe. Sergej sagte gleich "das hört sich nach einem Hubschrauber an". Um dieses zufällige "Störgeräusch" testweise zu verstärken und sozusagen richtig "auszukosten" öffneten wir sogleich das Fenster. Als der Hubschrauber gelandet war, sagte Alberta auf Deutsch (Sergej konnte es also nicht verstehen): Ohne das neue Hörgerät hätte Sergej den Hubschrauber sicher nicht bemerkt. Kurz darauf dann Sergej auf Russisch: Ohne das Implantat hätte ich sicher nicht bemerkt, dass dort ein Hubschrauber landet". Es war nicht unbedingt leicht, da die Fassung zu wahren.“
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Liebe Freunde
Wir sind schon seit ein paar Tage in Italien. Ich war mit Tonia im Krankenhaus, sie wurde untersucht. Jetzt haben sie ihr eine neue Therapie gegeben. Ich hoffe dass es ihr besser geht. Obwohl schon 2 Wochen vorbei sind dass wir bei euch waren geht die Erinnerung schon öfters an euch. Es war eine sehr gute Zeit! Danke für die gute Zeit die wir mit euch leben konnten. Ich würde sie „ Eine Zeit durch die Familien“ benennen. Wir haben so schöne Familien erlebt. Sowohl die Kirche, die Familien, und auch die einzelnen Menschen die die Angehörigkeit zu einer größeren Familie gezeugt haben. Danke für eure Offenheit, für die Hilfe, für euren Glauben, für das Bewusstsein dass wir ein Volk sind, ein Volk wo der Stärkere den Schwächeren hilft. Zusammen leben wir Gott und gehen ihm entgegen Ich bin wirklich Gott sehr dankbar für Alles was er uns gibt. In dieser Zeit habe ich ganz fest gespürt dass es nicht ein Zufall ist dass wir zusammen gekommen sind. Ich habe viele Freunde Gottes getroffen Wir sind den Ärzten auch sehr dankbar für Ihre Arbeit und Aufmerksamkeit. So viele gute Menschen haben mitgeholfen. Und das erfüllt unsere Herzen mit Hoffnung für diesen Weihnachten. Wir sollen das Gute sehen und leben und so kann Gott in unseren Herzen weiter für Andere Gutes machen. Gott ist treu! Und dies ist unsere Kraft und Hoffnung. SPASIBO!! Sr. Alberta Declara
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Liebe Gemeindemitglieder!
Ich möchte Ihnen ein großes Dankeschön sagen, dafür, dass Sie dazu beigetragen haben, meinen Traum zu realisieren! Die Operation war erfolgreich, und auch das Einschalten des Audioprozessors. Jetzt kann ich viel besser hören, aber ich muss mich noch immer weiter daran gewöhnen. Ich danke Ihnen auch für Ihre Gebete und Ihre Hoffnung, die auch mir Hoffnung gab. Übrigens trage ich den Audioprozessor auch jetzt. Ich werde mich immer daran erinnern und nenne ihn "Audiodresden". Danke!!! Sergej



 

















 

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