Historie

3. November 2016

Hurra, die Russen sind da!


Es ist kalt, unwirtlich und der Sommer nur noch eine schöne Erinnerung oder schon der Wunsch fürs kommende Jahr. Und ich habe schon ewig nichts mehr geschrieben im Universum. Fast ein ganzes Jahr ist inzwischen die Elbe runtergeflossen.
Zu den schönen Erinnerungen vom vergangenen August gehört der Besuch aus Elista: Pfr. Wladimir, Valentina und Sergej hatten sich auf den langen Weg gemacht. Allein 25 Stunden brauchten sie mit dem Bus von Elista nach Moskau. Danach noch ein paar Stunden auf dem Flughafen, bevor sie ziemlich geschafft hier in Dresden ankamen.
Nach einer Kaffeerunde in St. Hubertus gingen unsere Gäste erst mal in ihre Quartiere: Sergej übernachtete bei Sylvia Kumichel, Valentina bei uns zu Hause und Pfr. Wladimir die erste Woche bei Familie Cornelia Wosnitza/ Alexander Schintlmeister, danach bei Familie Scholze.
Gemeinsam verlebten wir dann bunte und volle Tage. Und der Einfachheit halber kann man hier in Stichpunkten lesen, was alles so passiert ist in der Zeit.

Donnerstag:
Pfr. Wladimir lernt den Weg nach Pillnitz und feiert dann fast jeden Morgen mit Pfr. Pyka die heilige Messe. Manchmal bleibt er auch noch für ein gemeinsames Frühstück dort.
Treff für alle im Monokel, das so zentral ist, dass es unsere Gäste im Laufe der Woche auch selber finden.
Familie Boddin organisiert Stadtrundfahrt (mit russischem Kopfhörer) und kümmert sich den ganzen Tag um die Gäste.
Abschluß 18 Uhr Gottesdienst in der Hofkirche mit Sylvia und Fam. Boddin und gemeinsames Abendessen im Chiaveri

Fazit: unsere Gäste waren am Abend total groggy. Pfr. Wladimir hat immer wieder gestaunt, wie zügig Familie Boddin unterwegs war. Valentina hat mir am Morgen gezeigt, was sie alles gesehen hat und eigentlich ist sie mit dem Finger fast über den ganzen Stadtplan

Freitag:
Valentina und ich gehen um 10 Uhr zum Gottesdienst in die orthodoxe Kirche
Cornelia, Sergej und Pfr. Wladimir gehen ins Militärhistorische Museum
15 Uhr Treff mit Sylvia zur russischen Führung durch die Gemäldegalerie
gemeinsames Abendessen bei Familie Schmidt

Fazit: der orthodoxe Gottesdienst war wunderschön, allerdings bin ich nach eineinhalb Stunden gegangen. Das war nach dem Evangelium. Und in der Straßenbahn saß ich dann ein bisschen, wie im falschen Film, weil mich das heilige Chaos noch umfing.
Pfr. Wladimir und Sergej waren vom Museum beeindruckt und alle Drei bewundern die Sixtina.
In Schmidts Garten am Lagerfeuer haben wir russische und deutsche Lieder gesungen und mit Familie Kubis und Petrun Grafe und Sylvia und unseren Gästen einen schönen Abend bis fast halb Elf verlebt. Unsere Nachbarn haben sich bestimmt auch amüsiert.

Samstag:
10 Uhr mit dem Dampfer nach Pillnitz
(Gunther Ermlich, Sylvia, Fam. Boddin, Herr Prochotta mit Besuch, unsere Gäste und ich)
Schloßkapelle besichtigen, kurze Andacht, kleines Mittagessen bei Wippler, Parkbesichtigung,
15 Uhr Picknick im Garten der Brockhausvilla
Familie Geibel hatte alles schön vorbereitet
Sabine Czapla und Beate Beyer steuern Kuchen bei
Pfr. Wladimir fährt mit Fam. Wosnitza zu einem Konzert auf dem Nordfriedhof.

Fazit: Es war eine schöne Fahrt bei Sonnenschein auf der Elbe, Herr Prochotta hat eine Andacht mit uns gefeiert, bei Wipplers war dank des Stadtfestes genug Platz für 13 Menschen. Der Park war für unsere Gäste sehr beeindruckend und Sergej konnte zwar nicht baden, aber die Beine hatten doch Elbekontakt. (In Russland gilt die Elbe als eine der großen Ströme der Welt. Und in ihnen zu schwimmen ist eine schöne Möglichkeit, sie zu „sammeln“.) Im Pfarrgarten war es eine fröhliche Kaffeerunde. Aber alle sind ziemlich müde. Sergej und Valentina legen in Schmidts Garten die Beine für 2 Stunden hoch und nach dem Abendessen ist für alle Schluss. Auch Sylvia und Sergej kommen diesmal vor Mitternacht nach Hause.

Sonntag:
9 Uhr Treff im Gemeindehaus zum Vorbereiten der Suppenparty
unsere Gäste haben derweil in der Kirche ein paar Sonnenstrahlen aus Elista erbeten (dort sind grad 38°C)
Gottesdienst in St. Hubertus (mit Pfr. Lommatzsch) und anschließenden Brunch im Kirchgarten
Evangelium und eine Fürbitte in Russisch
Frau Böttcher und Frau Glöckler musizieren während der Kommunion.
Nach den Vermeldungen erzählen Sergej und Valentina ein bisschen von Russland.
Danach wollen unsere Gäste noch aufs Stadtfest. Sylvia fährt mit.

Fazit: Es war ein sehr schöner Gottesdienst, die Begegnungen danach mit allem was dazu gehört auch.
Auf dem Heimweg biegt Pfr. Wladimir noch mal zu Pfr. Lommatzsch ab, weil der Pfr. Bosco Marschner (ehemals Zittau) aus Russland zu Besuch hat.

Montag:
Frühstück und Mittagessen bei Sylvia und mit Frau Ott, in Bühlau Mitbringsel (vor allem Süßigkeiten) kaufen. Valentina fährt noch mal allein in die Stadt. Die Männer genießen Sylvias Garten. Danach gemeinsames Abendessen bei Fam. Schmidt

Fazit: Valentina war für ihre Enkel nochmal ausgiebig shoppen und glücklich. Bei uns bleibt ihr dann noch eine Stunde um die Beine hochzulegen, dann kommen Sergej, Pfr. Wladimir, Cornelia, Alexander und Sylvia zum Abendessen. Eine lustige Runde und am Tisch ist auch die Ruhe und Dichte um ein paar Fragen per Dolmetscher zu klären. Halb elf ist fröhliches Aufbrechen.

Dienstag: fahren Sergej und Valentina wieder nach Moskau,
Abschlussgottesdienst halb neun in St. Hubertus, dann gemeinsames Frühstück bei Bäckerei Scheinert,
Pfr. Wladimir und Valentina fahren nochmal in die Stadt.
Gemeinsames Mittagessen und Taizelieder bei Sylvia sind ein schöner Abschluß.

Fazit: es war ein herzlicher Abschied auf dem Flughafen. Ich hatte auf dem Weg zum Flughafen die Idee, einige Fotos von der vergangenen Woche abziehen zu lassen. Der Umschlag jeweils für beide war dann eine schöne Überraschung, die sie aber erst im Flugzeug öffnen durften.


Die letzten Tage hat Pfr. Wladimir dann ohne „seine Gemeinde“ aber immer irgendwie unterwegs verbracht. Dazu gehörte nochmal ein Besuch der Gemäldegalerie, so ganz in Ruhe. Und ein Tagesausflug mit Herrn Scholze nach Schmochtitz, Rosenthal, Neuzelle, Kamenz … Den ganzen Tag über bekam ich auf dem Handy Bilder, wo sie grad unterwegs waren.
Auch die Amtseinführung von Bischof Heinrich Timmerevers haben wir gemeinsam erlebt. Eigentlich war dann auch ein Treffen mit Bischof Pickel geplant, aber aus gesundheitlichen Gründen konnte er nicht nach Deutschland kommen. Schade.
Am Sonntag feierten wir das Gemeindefest, bei dem Pfr. Wladimir mit zelebrierte. Und Montag ging es noch mal nach Pillnitz zum Gottesdienst und Frühstück bei Pfr. Pyka, mit Matthias Kunz als Dolmetscher.
Auf dem Flughafen gab es auch für ihn ein paar Abzüge von den Tagen hier und einen Brief an die Gemeinde in Elista. Außerdem 25 Kunstpostkarten mit der „Maria der Verkündigung“ von Lorenzo Costa. Das hatten sie im Original in der Galerie bewundert.

Was bleibt von solchen Tagen, wenn der Besuch wieder weg, alle Fotos sortiert, der fehlende Schlaf nachgeholt und der unterschiedliche Alltag und 3000 km uns wieder trennen?
Für den Elistakreis war es eine schöne Erfahrung, dass Gemeindemitglieder auf uns zukamen und ihre Hilfe anboten. Hier sei an dieser Stelle nochmal besonders Frau Wosnitza, Herrn Schintlmeister, Familie Scholze und Herrn Kunz gedankt.

Es bleiben die Erinnerungen an viele schöne gemeinsame Erlebnisse, es bleibt die Erfahrung, dass der Begriff WELTKIRCHE wirklich die ganze Welt meint. Wir konnten die Gastfreundschaft, die wir in sechs Besuchen dort erlebt haben, erwidern. Wir haben wieder mal bestätigt bekommen, dass aus unserer Partnerschaft längst eine Freundschaft geworden ist. Wir haben in den Berichten gehört, wie schwer der russische Alltag ist. Besonders, wenn jemand krank ist. Die Kollekte vom Gründonnerstag und der Erstkommunion haben wir Sergej für seinen Sohn Viktor mitgegeben. Die anfängliche Diagnose „Muskelschwund“ haben die Ärzte inzwischen fallengelassen. Nun hat er für Juli 2017 einen MRT-Termin in Moskau. Mit unserer Kollekte wird Sergej versuchen schon eher einen Termin dafür in der Nähe von Elista zu bekommen. Er war gerührt von so viel Anteilnahme und Solidarität und sagt ganz herzlich DANKESCHÖN!
Und bei mir bleibt die Erfahrung, dass ich im vergangenen Jahr ruhig öfter ins russische Lehrbuch hätte schauen müssen. Aber das ist ja nichts Neues :)

vielen Dank fürs Lesen und das Interesse sagt Maria Schmidt











6. November 2015

Neues aus Elista

Wieder ist der Herbst vorbei und ich bin nicht in Russland gewesen. Manchmal ist das Jahr einfach zu kurz: im Sommer haben wir unser Monokel komplett auf den Kopf gestellt und runderneuert und im Oktober waren zu Hause neue Fenster dran. Eine Aktion, die ich mir einfacher vorgestellt habe und die zum heutigen Tag auch noch nicht abgeschlossen ist.

Aber die fehlende Reise tut unserer Verbindung nach Elista keinen Abbruch. Fest sind unsere Beziehungen inzwischen geworden. Wir telefonieren, schreiben mails, schicken Pakete ins Kinderhaus und bekommen Post und Grüße von dort über andere Menschen, die dieses Jahr da waren. Zum Beispiel Pfarrer Peter Danisch. Er war von 1993 bis 2010 mit Pfarrer Reinhard Palitza und Pfarrer Wilhelm Palisch in Tscheljabinsk und hat in dieser Zeit auch Alberta, damals in Astrachan, kennengelernt. Als er, nun im Ruhestand und wieder in Magdeburg wohnend, im September - Oktober diesen Jahres eine Vertretung in der deutschsprachigen St. Elisabeth-Gemeinde in Moskau übernahm, machte er auch für eine Woche einen „Abstecher“ nach Elista. Seine Fotos mit meinen Erinnerungen zu mischen war schön.
Und im September waren die Astrachaner in Zittau bei ihrer Partnergemeinde. Da bin ich mit meinem Mann mal rüber gefahren und hab „drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“: die Russen getroffen, ein paar Umschläge an Mirella, Swetlana und die kanadischen Schwestern mitgeben können und den dortigen neuen Pfarrer erlebt. Es waren schöne Begegnungen, auch wenn mein Russisch schon wieder schläft. Und mit unserem Pfarrer Thomas Cech mal wieder (auf deutsch) zu schwatzen tat gut. Er hat sich eingelebt und lässt alle herzlich grüßen.

Wenn ich mit Alberta telefoniere, bin ich immer wieder fasziniert von ihrer Kraft und ihrem Gottvertrauen, mit dem sie diesen Jugendlichen Mutter und Erzieherin und Glaubenszeugnis ist.
Jedem hat sie eine schulische Förderung und dann eine berufliche Ausbildung erkämpft. Jeder geht seinen ganz eignen Weg und weiß die Familie als Rückenstütze hinter sich. Jeder weiß um seine Menschenwürde, trotz Behinderung oder anderer Widrigkeiten. Jeder hat gelernt, dass es wichtig ist und sich lohnt zu kämpfen und seinen Platz zu finden. Und dabei sind sie alle gemeinsam eine fröhliche Bande, die Sie hiermit ganz herzlich grüßen lassen.

Und was heißt das im einzelnen?

Sergej (den ja nun alle in St. Hubertus kennen) wohnt jetzt in St. Petersburg. Am 6. Oktober hat er sein Apostolat (1. Probejahr) bei den Franziskanern begonnen. Er studiert im Priesterseminar, aber ob er mal Bruder oder Priester wird ist noch offen. Im nächsten Jahr ist geplant, dass er ein Jahr nach Polen geht, weil die Franziskaner von dort kommen. Für die innere Berufung hätte er das deutsche Hörgerät nicht gebraucht, aber im Seminar denkt er oft dankbar an uns.

Tonia, die uns mit im vergangenen Jahr besuchte, war damals auch zur Diagnostik ihrer Epilepsie in Italien. Inzwischen geht es ihr besser, wahrscheinlich auch, weil alle mit der Zeit ruhiger wurden und nicht mehr ängstlich auf jeden neuen Anfall warteten.

Auch Lola (die bei den Paralympics mit ihrem Tischtennisschläger dabei war) ist ausgezogen. Sie studiert jetzt in Moskau Psychologie. Das ist möglich, weil die Uni behindertengerechte Wohnmöglichkeiten direkt auf dem Gelände anbietet. Auch wenn die planerischen Vorstellungen, wie viel Platz drei Rollstühle in einem Zimmer brauchen nicht ganz der Realität entsprechen. Lola hatte sich das Studieren leichter vorgestellt, weiß, dass sie jederzeit zu Alberta zurück kann, sagt aber: „ein Jahr wird durchgehalten und dann sehen wir weiter!“

Denken Sie nicht, dadurch wäre es im Kinderhaus jetzt leerer. Inzwischen wohnt die 16jährige Natascha mit in der Gemeinschaft.
Olga (deren Geschick wir bei jeder Bastelarbeit bewundert haben, egal was wir mitbrachten) hat ihre Stuckateurausbildung beendet, aber eine versicherungspflichtige Arbeit zu finden ist fast unmöglich. Nun hat die Gemeinschaft Johannes XXIII sie halbtags im Kinderhaus eingestellt. Alberta ist darüber sehr froh, denn das ist eine Hilfe, die bleibt. Die nicht aller viertel Jahre für ein neues Visum nach Italien zurück muss.

Simona ist in ihrem letzten Ausbildungsjahr zur Grundschullehrerin und absolviert grad ein Schulpraktikum. Vor zwei Monaten starb ihre Großmutter. Eine wichtige Person in ihrem Leben, denn diese suchte damals in Marx für Simona Hilfe bei den katholischen Schwestern. Und über den damaligen Pfarrer Clemens Pickel kam sie dann zu Alberta.

Swetlana kämpft sich durch den Schulstoff und wird jetzt auch, wenn gesundheitlich möglich, fast täglich von Alberta in eine öffentliche Schule gebracht. Das ist genauso schön wie anstrengend und kostet Kraft, die woanders dann manchmal fehlt.

Und Alberta selber war im Oktober mit Bischof Pickel und 20 anderen Ordensleuten für 5 Tage auf dem Weg nach Fatima. Bischof Pickel schreibt in seinem Blog ( kath-ru.blogspot.com ) von vielen schönen Erlebnissen und Begegnungen.
Kurz vor der Abreise rief Alberta mich an. Ein bisschen schwatzen, wie es uns so ohne „Vater Thomas“ (die wörtliche Übersetzung der Priesteranrede in Russland) geht, was die einzelnen Menschen, die sie näher kennenlernen konnte so bewegt, ob es noch die Werktagsmessen gibt, ob es immer noch die ausländerfeindlichen Demonstrationen gibt, ob das Heim im Hochland gut ist für alle, wie es mir als Großmutter geht und viele andere Dinge. Es war ein schönes Gespräch und nur einmal brach die Verbindung ab, weil soooo lange skypen, das gehört sich in Russland vielleicht nicht und jemand „zog den Stecker“.

Im Sommer haben wir dann auch die seit zwei Jahren angedachte Einladung, uns doch mal zu besuchen, endlich ordentlich formuliert. Pfarrer Wladimir freut sich auf diese Reise und nun muss in der Gemeinde noch geklärt werden, wer mitkommt. Die kommenden Kollekten für Elista werden diesen Besuch finanzieren. Sonst wäre er für keinen möglich. Da sind wir als Kreis und unsere Partnergemeinde sehr dankbar für alle Unterstützung. Und einen Termin gibt es auch schon so ungefähr. Und zwar rund um den 28. August 2016. An dem Tag werden wir mit unseren Gästen Gemeindefest feiern.

Im Oktober haben wir auch mal wieder ein Paket mit Bastelmaterial hingeschickt. Wenn Sie den Schutzpatron für die russische Post kennen: es wäre schön, wenn die Sachen nicht erst im neuen Jahr ankommen. Und Mitte November geht das Weihnachtspaket auf die Reise. Das können sie gleich mit verbeten.

Das soll für heute als Info reichen.
Im Namen unserer Partnergemeinde sage ich allen Lesern für das gemeinsame Unterwegssein in Gedanken, Gebeten, Fragen und Spenden - DANKESCHÖN.
liebe Grüße Maria Schmidt








27. Dezember 2014

"unsere Russen" waren in Dresden

Hier nun der versprochene Rückblick auf den großen Besuch im November und Dezember. Es war eine dichte Zeit und mein heimlicher Plan, jeden Tag ein bisschen was zu schreiben, war total unrealistisch. Zu viel waren wir in den Tagen gemeinsam unterwegs, zu viel war zu planen, zu bedenken und zu organisieren. Abends bin ich nur noch breit ins Bett gefallen. Und nun genieß ich die Ruhe zwischen den Jahren. Unser Monokel wird vom Sterntaler bewacht und hat Ferien bis zum 2. Januar. Das Gemeindeleben beschränkt sich auf die Gottesdienste und so ist es ein echter AUSKLANG. Bevor uns das neue Jahr wieder zum KLINGEN auffordert. Aus diesem Grund gibt es jetzt hier auch "nur" den Abschlußbrief der am Heiligen Abend in beiden Gemeinden verteilt wurde.
Allen, die diese Zeilen lesen wünsche ich einen guten Jahresausklang und viel Freude und Neugier auf das Kommende.   liebe Grüße Maria Schmidt

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Süßer die Glocken nie klingen … als in der jetzigen Zeit, in der wir mit Sergej erlebt haben, was Hören bedeutet, wie sorglos wir es oft als Selbstverständlichkeit betrachtenund dass es auch ein Weihnachtsgeschenk sein kann.

Wir wollen Sie mit diesem Brief einladen: zu einer Reise durch die vergangenen vier Wochen mit unserem Besuch aus Russland.

Die Vorgeschichte kennen Sie alle aus dem eignen Erleben:
durch einen Vortrag von Petrun Grafe zu unserer Partnerschaft mit der Gemeinde St. Franziskus in Elista kam die Idee, ob man diesem jungen Mann mit dem schlechten Gehör hier in Deutschland helfen könnte. Viele, viele Menschen haben aus diesem unpersönlichen kleinen -man- dann ein ICH werden lassen. Sind aktiv geworden für Sergej. Im Mitdenken und Planen (hier ist vor allem Christoph Ilgner sehr aktiv gewesen), in der Realisierung medizinischer Voruntersuchungen, im Bitten um Spenden im Freundes und Verwandtenkreis, im Gestalten von Benefizkonzerten, in der Unterstützung von Kollekten, im täglichen Gebet, im persönlichen Kontakt nach Russland und und und. Wahrscheinlich kennen wir gar nicht alle guten Taten, die im Hintergrund so stattfanden.

Und am 22. November ist es dann soweit: Sylvia Kumichel und Christoph Ilgner holen „unsere Russen“ vom Flughafen ab. Sie werden bei Familie Schmidt in Weißig übernachten. Mein Mann und ich haben uns in der Planungsphase gesagt: ok, wir richten uns darauf ein, dass unsere Wohnung in der Zeit ein Teil des Gemeindehauses ist. Und das wurde es auch.
Es gibt zur Begrüßung erst mal Tee (typisch russisch) und danach einen Tagesplan (typisch deutsch). Es gibt viele Termine aber auch viele offene Fragen, die sich erst mit Sergejs Befinden klären lassen. Bevor es in die Uniklinik geht, gibt es am Sonntag erstmal einen herzlichen Empfang von der Pillnitzer Gemeinde. Dabei stellt sich auch heraus, dass Matthias Kunz perfekt russisch spricht. Ein Umstand, den Sergej sehr zu schätzen weiß. Und der Nachmittag findet uns in Stolpen und Umgebung bei Familie Giersemehl, denn, wer täglich nur Steppe um sich hat, ist über jeden Baum froh.

Während Tonia diese Woche in der Werkstatt St. Josef verbringt und dort mit den Worten: „die kennen wir doch“ begrüßt wird (Fahrdienst übernimmt Herbert Löffler) ist Sergej jeden Tag in der Uniklinik. Die OP am Dienstag wird ambulant durchgeführt, bei den Nachkontrollen läßt sich eine gewisse Bevorzugung durch Prof. Mürbe, Prof. Zahnert, Dr. Mainka und das gesamte Team der Abteilung Phoniatrie und Audiologie nicht verleugnen. Und zu jedem Termin nimmt sich Christoph Ilgner Zeit als Chauffeur, als Übersetzer und Freund. Sergej ist ein geduldiger Patient, und wie groß bei ihm die Anspannung ist, merken wir erst, als sie vorbei ist. Alberta ist dankbar für alle Fürsorge und Professionalität in der Klinik und die Anteilnahme in der Gemeinde. Sie findet Ruhe bei der Vesper und den Gottesdiensten in St. Hubertus und der Hofkirche.

Am Montag nach dem ersten Advent wird das externe Gerät (der Audioprozessor) erstmals per Magnet am Kopf befestigt und eingeschaltet. Einen kleinen Eindruck davon bekommen Sie mit dem Text von Christoph Ilgner auf der Rückseite. Das Ergebnis wird in der Cafeteria mit einem späten Mittagessen gefeiert. Anschließend geht es zum Frisör, und das umseitige Foto entsteht unmittelbar danach. Und nun taut Sergej merklich auf. Er redet und lacht und nimmt Anteil – es ist unübersehbar, wie Angst und Unsicherheit vor der OP vorbei sind, das Warten auf den großen Moment ein Ende hat und nun die Neugier und Freude auf alles Neue beginnt. Es ist eine große Erwartungsfreude, eben eine Adventsfreude!

Und diese Adventsfreude trägt auch uns, den Elistakreis, die Gemeinden. Und wir können sie teilen: mit Irmhild Ehrlich aus der Pieschner Pfarrei, ihr verdanken wir überhaupt unsere Partnerschaft. Sie kam für einen Abend zum Austauschen, alte Fotoalben betrachten und Pläne für die Zukunft schmieden. Mit Alexander Debus, einem jungen Mann, der ein ähnliches Gerät wie Sergej trägt und schon bei der Entscheidungsfindung eine gute beratende Stütze war. Mit Markus Janitzki, der letztes Jahr eine Zeit in Elista im Kinderhaus gearbeitet hat und nun mit seiner Frau Melanie aus dem Eichsfeld zu Besuch kam.

Am 3. Dezember geht es für Alberta und Tonia weiter. Über Osnabrück, Venedig und Südtirol nach Rom zum Papst. Er hat die Gemeinschaft Johannes XXIII, zu der Alberta gehört, zu einer Audienz am 20. Dezember eingeladen. Und am 23. ist sie wieder in Elista. Von ihrem Elternhaus in Südtirol schrieb sie ein paar Zeilen zu ihrem Besuch in Dresden. Auch diese finden Sie auf der Rückseite.

Die folgenden Wochen entdeckt Sergej viele neue Geräusche. Zum Beispiel das Schnurpseln roher Möhren bei Schmidts am Mittagstisch. Familie Boddin und Petrun Grafe sorgen für Konzerterlebnisse in Annen und Kreuzkirche. Sylvia Kumichel testet mit ihm Weihnachtsmarktmusik, Sabine Czapla das Landhaus und das Panometer, Familie Kunz den normalen Familienalltag. Gemeinsam geht es zum Glockenguss und allein fährt Sergej für eine Woche nach Dortmund zu einer Freundin, die als Praktikantin in Wolgograd war. Das Jugendleben dort haben wir ihm sehr gegönnt und es hat ihm auch sichtlich gut getan. Bei all dem hat Sergej immer ein Heft dabei und macht Notizen für die Programmierung des Gerätes an der Uniklinik. Christoph Ilgner begleitet ihn auch dazu jedes Mal und ist mit seinem Russisch eine große Hilfe für alle Beteiligten. Vor allem, seit Alberta nicht mehr dabei ist. Die Ingenieure der Firma MED EL sind erstaunt über Sergejs zielgerichtete und fundierte Fragen. Am 16. Dezember ist die letzte Nachkontrolle und Anpassung. Alle sind zufrieden, und der Abschied fällt sehr herzlich und dankbar aus.

Inzwischen ist im Hause Schmidt die Aufregung um den Besuch in Alltag umgeschlagen. Wir lernen und vergessen jeden Tag viele russische Vokabeln, und letztens hab ich unseren Kater auf Russisch zurechtgewiesen. Wir genießen jeden Besucher, der mal kurz nur so oder nach Tagesplan für Sergej da ist. Wir haben es aufgegeben, Sergej ein bisschen verdicken zu wollen. Er isst alles und viel, aber er bleibt eine Bohnenstange. Wir sind uns sicher, die Fenster werden dieses Jahr nicht mehr geputzt und trotzdem strahlt unser Haus vor Freude über das Geschenk, das wir Sergej als Gemeinde geben konnten. Und nun bleibt noch die große Überraschung, wer am morgigen Abend zum Abschied nach Weißig kommt. Der Bericht darüber wird mein PS.

Vorab auf diesem Wege und an dieser Stelle allen, allen, allen die an diesem Geschenk in irgendeiner Weise beteiligt waren, ein herzliches DANKESCHÖN! Geben Sie diesen Brief weiter an alle, die Anteil genommen haben in Gedanken, Worten und Werken und im Gebet.

Es grüßt im Namen des Elistakreises Maria Schmidt

PS Eine schöne Runde von 10 Menschen. Ein lustiger Abend an dem wir uns der vergangenen Tage erinnern, ein bisschen in die Zukunft sehen und das Gefühl genießen, eine Gemeinschaft zu sein, die verbunden bleibt, auch wenn uns in ein paar Tagen wieder knapp 3000 km voneinander trennen.
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Dr. Christoph Ilgner: „Ich konnte ja nun selbst dabei sein und möchte daher noch hinzufügen, dass es kein sozusagen singulärer Moment war, das von uns in unserer Naivität oft postulierte "Aha-Erlebnis" verteilte sich auf ca. eine Stunde. Zunächst hatte Sergej nur einen neuen Laut-Eindruck, aber je mehr akustische Test-Situationen ihm geboten wurden, umso mehr entdeckte er die neuen Möglichkeiten und wurde immer zufriedener, das war richtig zu merken. Im Verlaufe der Einstellung landete dann noch ein Hubschrauber der Deutschen Rettungsflugwacht in der Nähe. Sergej sagte gleich "das hört sich nach einem Hubschrauber an". Um dieses zufällige "Störgeräusch" testweise zu verstärken und sozusagen richtig "auszukosten" öffneten wir sogleich das Fenster. Als der Hubschrauber gelandet war, sagte Alberta auf Deutsch (Sergej konnte es also nicht verstehen): Ohne das neue Hörgerät hätte Sergej den Hubschrauber sicher nicht bemerkt. Kurz darauf dann Sergej auf Russisch: Ohne das Implantat hätte ich sicher nicht bemerkt, dass dort ein Hubschrauber landet". Es war nicht unbedingt leicht, da die Fassung zu wahren.“
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Liebe Freunde
Wir sind schon seit ein paar Tage in Italien. Ich war mit Tonia im Krankenhaus, sie wurde untersucht. Jetzt haben sie ihr eine neue Therapie gegeben. Ich hoffe dass es ihr besser geht. Obwohl schon 2 Wochen vorbei sind dass wir bei euch waren geht die Erinnerung schon öfters an euch. Es war eine sehr gute Zeit! Danke für die gute Zeit die wir mit euch leben konnten. Ich würde sie „ Eine Zeit durch die Familien“ benennen. Wir haben so schöne Familien erlebt. Sowohl die Kirche, die Familien, und auch die einzelnen Menschen die die Angehörigkeit zu einer größeren Familie gezeugt haben. Danke für eure Offenheit, für die Hilfe, für euren Glauben, für das Bewusstsein dass wir ein Volk sind, ein Volk wo der Stärkere den Schwächeren hilft. Zusammen leben wir Gott und gehen ihm entgegen Ich bin wirklich Gott sehr dankbar für Alles was er uns gibt. In dieser Zeit habe ich ganz fest gespürt dass es nicht ein Zufall ist dass wir zusammen gekommen sind. Ich habe viele Freunde Gottes getroffen Wir sind den Ärzten auch sehr dankbar für Ihre Arbeit und Aufmerksamkeit. So viele gute Menschen haben mitgeholfen. Und das erfüllt unsere Herzen mit Hoffnung für diesen Weihnachten. Wir sollen das Gute sehen und leben und so kann Gott in unseren Herzen weiter für Andere Gutes machen. Gott ist treu! Und dies ist unsere Kraft und Hoffnung. SPASIBO!! Sr. Alberta Declara
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Liebe Gemeindemitglieder!
Ich möchte Ihnen ein großes Dankeschön sagen, dafür, dass Sie dazu beigetragen haben, meinen Traum zu realisieren! Die Operation war erfolgreich, und auch das Einschalten des Audioprozessors. Jetzt kann ich viel besser hören, aber ich muss mich noch immer weiter daran gewöhnen. Ich danke Ihnen auch für Ihre Gebete und Ihre Hoffnung, die auch mir Hoffnung gab. Übrigens trage ich den Audioprozessor auch jetzt. Ich werde mich immer daran erinnern und nenne ihn "Audiodresden". Danke!!! Sergej



 

















 

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